Ausbürgerung
Willy Brandt leitet in Oslo - neben der SAP-Außenstelle - seit Oktober 1933 auch die zentrale Auslandsstelle des Sozialistischen Jugendverbandes Deutschlands (SJV). Er organisiert Zusammenkünfte der im Exil lebenden SJV- Mitglieder und erarbeitet Informations- und Schulungsmaterial, das er über Geheimkuriere auch den "Untergrundzellen" der SAP und ihres Jugendverbandes in Deutschland zur Verfügung stellt. Im Februar 1934 nimmt Brandt als Vertreter des SJV an einer internationalen Konferenz linkssozialistischer Jugendorganisationen in Laaren (Niederlande) teil. Das Treffen wird von der Polizei gesprengt, die die ausländischen Delegierten unter dem Vorwand einer Paßkontrolle verhaftet. Brandt entgeht nur knapp dem Schicksal der übrigen deutschen Teilnehmer, die an der Grenze den deutschen Behörden ausgeliefert werden. Willy Brandt wagt sich schließlich selbst in die "Höhle des Löwen": Von September bis Dezember 1936 hält er sich - als norwegischer Student unter dem Namen Gunnar Gaasland getarnt - illegal in Berlin auf. Er hat den Parteiauftrag, in diesem Zeitraum die Berliner SAP-Untergrundorganisation "Metro" zu leiten. Brandt will sich darüber hinaus einen Eindruck vom Alltag im nationalsozialistischen Deutschland verschaffen. Er bleibt unerkannt und kehrt sicher nach Oslo zurück.
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In Spanien herrscht seit 1936 Bürgerkrieg. In unerbittlicher Feindschaft stehen sich Faschisten und Sozialisten wie Kommunisten gegenüber. Im Jahre 1937 schickt die SAP-Leitung Willy Brandt nach Barcelona, um dort eine internationale sozialistische Jugendkonferenz vorzubereiten. Er will während seines Aufenthaltes für die norwegische Arbeiterpresse über den Bürgerkrieg berichten. Brandt gerät ideologisch zwischen die Fronten: Als SAP-Vertreter und damit Partner der linkssozialistischen POUM solidarisiert er sich mit ihr gegen die politische Haltung der Kommunisten. Andererseits übt Brandt auch Kritik an der POUM, die nach seiner Auffassung den Krieg als Klassenkampf betreibe, statt gemeinsam gegen die Faschisten vorzugehen. Trotz seiner ausgewogenen politischen Einstellung und Berichterstattung, die er über den Spanischen Bürgerkrieg gibt, wird Brandt später verleumdet. Ihm wird vorgeworfen, mit den Kommunisten zusammengearbeitet und sich an den Kämpfen beteiligt zu haben. Brandt kann diese Anschuldigungen - u. a. mit Hilfe von Testaten, die Zeugen seines Aufenthaltes in Spanien ausstellen - erfolgreich zurückweisen.
Im Jahre 1938 wird Willy Brandt - wie vielen Tausenden anderen Emigranten - von den Nationalsozialisten die deutsche Staatsangehörigkeit entzogen.
Von seiner Ausbürgerung erfährt er durch die Verkündung im Reichsanzeiger vom 5. September 1938. Willy Brandt ist staatenlos geworden. Er faßt daher den Entschluß, Antrag auf Einbürgerung in Norwegen zu stellen.